Foto: In der „Grube Bindweide“ lasen jetzt Bergbauautor Achim Heinz (von links), Heimatverein-Vorsitzender Konrad Schwan, Landrat Michael Lieber sowie Bürgermeister Bernd Brato aus dem Roman „Tagesbrüche“. Foto: Joachim Weger

Das Steinebacher Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ stand am Samstag im besonderen Zeichen von Kunst und Kultur, und zwar gleich im doppelten Sinne. Besucher und Leseratten gaben sich buchstäblich die Klinke in die Hand. Während nämlich am späten Nachmittag die regulären Gästegruppen ihre Entdeckungstouren unter Tage beendeten, fuhren rund 25 weitere Bergbau- und Heimatfreunde zur neuen „Schicht“ ins Bergwerk ein. „Ein frohes Glückauf zur Lesung“, hieß es schon bei der Abfahrt der Grubenbahn. Nach 450 Metern ebenerdiger Fahrt war der Bahnhof „Pulverkammer“ erreicht. Dort, im früheren Sprengstofflager der 1931 geschlossenen Eisenerzzeche, fand jetzt erstmals in dieser Art eine Autorenlesung statt.
Bergbauautor Achim Heinz (60), langjähriger Leiter des Kreis-Bergbaumuseums in Herdorf-Sassenroth, hatte zur Lesung aus seinem Roman „Tagesbrüche“ eingeladen. Dem vierköpfigen Team der Vortragenden gehörten zudem Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Bernd Brato sowie Kreisheimatverein-Vorsitzender Konrad Schwan an. Trotz solch hochkarätigen Vorzeichen war für die Zuhörer nicht allein die Zusammenstellung des Leser-Quartetts spannend, sondern auch die Auswahl des ungewöhnlichen Leseraums, der sich etwa 50 Meter unter der Erdoberfläche befindet. „Örtlichkeit und Sachthema passen hier perfekt zusammen“, schwärmte eine Zuhörerin. Gewiss kann sich der etwas beengte Raum, der ansonsten für Hochzeiten unter Tage sowie für die Heilstollen-Therapie genutzt wird, größenmäßig nicht mit Bürgerhäusern oder Stadthallen messen. Dafür aber, vielleicht gerade deswegen, bietet die einzigartige Atmosphäre in natürlich-gesunder Bergluft den Reiz des Besonderen. „Klein, aber fein“, lobte ein Besucher. Hin und wieder kullern Wassertropfen, und das echte Felsgestein erinnert an die schwere Arbeit der Erzväter von einst. Genau daran knüpft der Roman „Tagesbrüche“ an, aus dem Achim Heinz und seine drei Mitstreiter jetzt ausgewählte Leseproben zum Besten gaben.

Text: Joachim Weger


„Das Thema Eisen und Stahl verbindet seit eh und je den Westerwald mit dem Siegerland!“ Dieses Fazit zogen jetzt ehemalige Stahlwerker beim Besuch im Bergmanns- und Museumsdorf Steinebach.
Seit gut fünf Jahren hat sich der 15-köpfige „Club der Ehemaligen“ unter Leitung von Manfred Weller (Wilnsdorf) auf die Fahne geschrieben, die Erinnerung ans Berufsleben wachzuhalten und den Zusammenhalt der früheren Beschäftigten durch sinnvolle Freizeitaktionen zu stärken. Immerhin können die meisten „Ehemaligen“ auf jahrzehntelange Arbeit in der Abteilung für Instandhaltung im Geisweider Walzwerk zurückblicken. „Dort schafften wir mit sehr viel Teamgeist, und zwar Westerwälder und Siegerländer gleichermaßen“, hieß es nun beim Besuch in Steinebach.

Die jetzige Jahresinfotour hatte Dieter Fabig (2. von links) aus Limbach organisiert. Mit einem frohen „Glückauf“ begann die Einfahrt ins Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ (Foto), wo man dem vertrauten Rohstoff Eisen buchstäblich auf den Grund ging. Ebenso im örtlichen Westerwaldmuseum für Motorrad und Technik gab es Altbewährtes zu bestaunen. Vor allem die nostalgischen Zweiräder mit dem imposanten Drumherum erinnerten an die beschwerlichen Fahrten zur alten Arbeitsstelle.

Text und Foto: Joachim Weger
Nach 25-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit im Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ sagte Dieter Lochotzki (84/4. von links) aus Malberg jetzt aus gesundheitlichen Gründen “ade“. Namens des kompletten Grubenteams sowie des Fördervereins und der Verwaltung sprach Petra Stockschläder dem stets fröhlichen Team-Senior in Steinebach Dank und Anerkennung aus.
Lochotzki ist Bergmann mit Leib und Seele. Bevor er 1991 auf „Bindweide“ als Gästeführer begann, hatte ihn sein 40-jähriges Berufsleben im Steinkohlebergbau in Dinslaken bis zum Rang des Obersteigers geführt. Beim jüngsten „Glückauf“ an der Grubenschmiede trug Lochotzki im Kreis der Aktiven seinen Herzenswunsch vor, auf der guten, alten „Bindweide“ die reiche Tradition des Bergbaus wachzuhalten.
Als Trinkspruch zum Abschied fiel dem Team-Senior jener Vers ein, den er schon als Berglehrling zu Gehör bekam: „Gar rostig ist die Grubenschiene, wenn der Hund (Förderwagen) nicht drüber läuft. Gar frostig wird des Bergmanns Miene, wenn er ab und zu nicht säuft!“

Text u. Foto: Joachim Weger
Im Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ sind ja seit gut 30 Jahren unzählige Vereine und Clubs aus aller Herren Länder, noch dazu mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen und Planungen, schon zu Gast gewesen. Aber erstmals kam jetzt der Fanclub eines namhaften Bundesligisten zur Bindweide, um tief unter Tage quasi in eigener Sache auf Spurensuche zu gehen. Der Schalke-Fanclub „Null vier Wiesbaden“ spannte kurzerhand im Grubenbahnhof sein Banner auf, grüßte mit einem zünftigen „Glückauf“ und sang obendrein zum Erstaunen des Stollenteams das sogenannte Steigerlied - und zwar komplett und textsicher. „Wir möchten hier mehr über die reiche bergmännische Tradition unserer Schalker Gründerväter erfahren“, sagte Clubvorsitzender Andy Kollang.
Bekanntlich liegen die Wurzeln der Schalker 04-Fußballer ja in den Gruben des Ruhr-Reviers. Um der Welt der Bergknappen nun einmal auf den Grund zu gehen, suchte man in Wiesbaden an entsprechenden Möglichkeiten. Da der Fanclub jetzt ohnehin einen Tagesausflug in den Westerwald organisiert hatte, war die Einfahrt in die alte Erzgrube Bindweide beschlossene Sache. „Gott sei Dank ist unser Geschäftsführer Konrad Schwan heute nicht hier, denn der ist großer Bayern-Fan“, hieß es scherzhaft im Bindweide-Team.

Text u. Foto: Joachim Weger
Das Team des Besucherbergwerks Grube Bindweide hat jetzt, zumindest dem Anschein nach, einen neuen Mitarbeiter. „Du bist ab sofort unser erster echter Grubenhund“, sagte kurzerhand Petra Biegl (Foto) vom Team der Gästeführer. Die spontane „Ernennung“ galt einzig und allein dem gut zweijährigen Eddie, einem braven Spanischen Wasserhund. Was war geschehen?
Eine Familie aus dem Bereich Hannover kam mit Eddie nach Steinebach, um das Bergwerk zu besichtigen. Da Hunde jedoch grundsätzlich unter Tage tabu sind, nahm sich die tierliebe Petra dem braven Vierbeiner an, während der Rest von Eddies Familie mit der Grubenbahn zur „Schicht“ anfuhr. Nach fast zwei Stunden staunten Herrchen und Frauchen nicht schlecht, als aus dem Familienhund ein Grubenhund geworden war. Immerhin ließ sich Eddie von seiner Betreuerin ohne Murren einen typischen Grubenhelm verpassen, als wolle er getreu seiner Rassemerkmale sagen: „Sehr her, ich bin einfach zu erziehen sowie lern- und arbeitsfreudig!“
Text und Foto: Joachim Weger
An den heißen Tagen finden Sie die perfekte Abkühlung im Besucherbergwerk Grube Bindweide.
Während einer Führung durch das verzweigte Stollensystem herrscht eine konstante Temperatur von 11°C. Das Besucherbergwerk Grube Bindweide ist daher eines der beliebtesten Ausflugsziele um einer Hitzewelle zu entgehen. Foto: Julian Schwan
Um die schwere Arbeit, vor allem aber um Frohsinn und Humor der Erzknappen, drehte sich jetzt alles beim Besuch des deutschen Moderators, Autors, Humorist und Schauspielers Pierre M. Krause im Bergmannsdorf Steinebach. Der für seinen trockenen Humor und schräge Gesten bekannte Show-Moderator befand sich mit einem Fernsehteam auf Dreh-Tour für die neue Beitragsreihe „Pierre M. Krause Show“, die voraussichtlich im April als klassische 30-minütige Late-Night-Show im SWR ausgestrahlt wird. „Absurd, schlagfertig und schräg“, heißt es in einer Note. Eigentlicher Zielpunkt der jüngsten Tour war jetzt das Besucherbergwerk Grube Bindweide, wo die Gäste mit Petra Stockschläder und Werner Becker vom Förderverein mal zur etwas anderen „Schicht“ anfuhren. Treue Begleiter in Steinebachs Untertagewelt waren während der gut zweistündigen Führung amüsante Beobachtungen, schrille Fragen und heitere Gespräche. Sogar ulkige Streiche, für die damals trotz schwerster Arbeit immer noch Zeit blieb, kamen zur Sprache. Auf der Suche nach interessanten Menschen, tollen Stories sowie allerlei Berufen und Hobbys tourt der 40-jährige Moderator aus Karlsruhe durch ganz Deutschland. Bei seinem Besuch im Westerwald sollte nun der Bergbau als typischer Faktor im Mittelpunkt stehen. „Der Beitrag soll humorvoll und unterhaltsamen werden“, lautete der Wunsch des Fernsehteams.

Text und Foto: Joachim Weger